Lebenslinien - Das Konzert (Live-CD)

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DekokreisAn jenem spätherbstlichen – schon ein wenig vorweihnachtlichen Abend 2009, als ich dieses wunderbare Konzert erlebte, wünschte ich mir sehr, dass es viele Menschen hören könnten … am besten auf einer CD.
Diese gibt es nun und lässt uns jene musikalischen und emotionalen Momente aufspüren, die Aurora so klar als ihre »Lebenslinien« bezeichnet – gesungen, gespielt und erzählt in 20 Liedern. Das ist eine sehr bewegende, mal stille, mal aufwühlende Reise durch die vier Jahrzehnte umspannende Karriere einer außergewöhnlichen Künstlerin -  mit einem wohl gewählten Repertoire aus Songs von Nah und Fern, Gestern und Heute. Aurora singt sie in den Sprachen ihres Lebens – spanisch, französisch, deutsch.

Sie wird begleitet von einem Quintett südamerikanischer Freunde, ausnahmslos Multi-Instrumentalisten mit unbändiger Spielfreude und einer faszinierenden Ideenvielfalt. Die kluge Dramaturgie in der Abfolge der Lieder,  die Botschaften in den Texten – lassen uns Zuhörer teilhaben an den Lebenslinien von Aurora, ihrer ungestümen Freude am Leben, auch ihrem Kummer, der großen Liebe zu Menschen, die sie gleich im ersten Song  (Musik von der Kanadierin Loreena McKennitt mit dem Text von Regina Scheer) für ihre „Freunde“ besingt.

Einige der schönsten Lieder hat Aurora ihren Eltern gewidmet, die sie vermisst, die aber „in ihrem Herzen weiter leben“.
Viele ihrer Songs handeln von der Liebe und sind dabei doch auch politische Lieder. Sie geben eine Menge von dem preis, was wie ein geistiges Statement die Haltung von Aurora ausmacht, ihre persönliche „Sichtweise auf menschliche Werte wie Respekt, Toleranz, Gewaltlosigkeit und Glück“. Sie drückt es in den Liedern aus mit Texten großer Autoren von Kosma, Lorca, Guillén, Yupanqui über Int Ilimani und Victor Jara bis zu ihren deutschen Kollegen Gerhard Schöne und Gundermann … aber sie sagt und singt es auch in ihren eigenen Worten. Die Erlebnisse und Erfahrungen in zwei Gesellschaftssystemen haben Aurora veranlasst, einem der schönsten deutschen Volkslieder – das wie kein anderes für politische Zwecke ge- und missbraucht wurde – eine selbst verfasste Strophe hinzuzufügen.

Und es ist wie das Credo einer Künstlerin, die sich eben nicht nur als Interpretin versteht:

„Ich singe was ich will
und was mich bedrücket
und das nicht in der Still
und wie es sich schicket
denn NEUE Gedanken
die sprengen die Schranken
es bleibet dabei …
Die Gedanken sind frei“

Das kriecht einem schon unter die Haut und macht dankbar für ein besonders schönes und nachhaltiges Konzert, das man sich ja nun zum Glück immer wieder anhören kann.

Wolfgang Martin, Mai 2010